An Bord der Anytec 860 SPD.

Raus aus dem Alltag, hinein ins Vergnügen! Das war das Motto der diesjährigen Hanseboot ancora boat show, der größten deutschen Bootsmesse im Wasser. Vom 29. bis 31. Mai 2015 waren wir in Neustadt in Holstein dabei. Ein Weilchen ist es wieder her, aber die Erinnerungen zaubern uns immer noch ein Lächeln aufs Gesicht. Vor der traumhaften Lübecker Bucht präsentierten über 100 Aussteller ein repräsentatives Sortiment von mehr als 80 Motor- und Segelbooten, darunter Weltpremieren und viele Modellneuheiten. Von kleinen Daycruisern und modern interpretierten Runabouts über Familienkreuzer bis hin zu gehobenen, luxuriösen Motoryachten aller Reviere.

Wir haben die Gelegenheit genutzt und das 860 SPD der schwedischen Marke Anytec auf Herz und Nieren getestet. Mit seiner zugegeben etwas bissigen, aber charakteristisch stilvollen Optik sticht es schon rein äußerlich aus der Masse und zieht alle Blicke auf sich.

DESIGN, KONZEPT, VERARBEITUNG

Auf den ersten Blick weist das Boot eine sehr außergewöhnliche Optik auf und das bis ins Detail. Es besteht aus purem, rundherum vier Millimeter dickem, absolut seewasserbeständigem Schiffsbaualuminium. Das charakteristische Profil wird durch eine 25 cm hohe Scheuerleiste unterstrichen. Fender sind dadurch fast schon überflüssig.

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8,86 Meter Rumpflänge, 2,60 Meter Breite, messerscharfer V-Rumpf, der nach einer Methode hergestellt wird, die üblicherweise für viel größere Boote vorgesehen ist. Das Besondere daran: Die komplette Rumpfstruktur, sämtliche Teile und Baugruppen werden in sorgsamer Handarbeit miteinander verschweißt. Die Schweißnähte sind bewusst und deutlich sichtbar, denn hier geht es „weniger um die Optik sondern vielmehr um die Stabilität des Bootes“, betonen die Schweden selbstbewusst. Außerdem sehen die Schweißnähte nahezu perfekt aus, so dass manch einer sich wundert, dass keine Roboter am Werk sind. Selbst die 30-cm-Klampen sind derart robust, dass die etwa 1.800 kg schwere Anytec im Werk daran in die Höhe gehievt wird.

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Alle Anytec Modelle werden seit 2012 mit der patentierten „M400-Oberflächenbeschichtung“ behandelt. Diese, auf Nano Technologie basierende, zwei Komponenten-Versiegelung schützt blanke Alumi-niumoberflächen langfristig und sicher vor Oxidation und wirkt zudem wasserabweisend. So behält das Aluminium eine lange Zeit seinen typischen Glanz und bleibt neuwertig.

Weitere Details an Deck: Jede Menge Platz und eine gute Bewegungsfreiheit, Stauraum satt. Die mit dem Boden verschweißten Stauraumkisten sind mit Gasfedern ausgestattet, so dass die Kistenklappen weich auf und zu gehen. Zu nennen wären außerdem weitere sinnvolle Features: Das selbstlenzende Cockpit, eine grobe Antirutschstruktur und eine patentierte, automatisch „einknickende“ Tür, die beim Aufmachen am starken Magneten mit einem lauten Geräusch, auch noch bei Geschwindigkeiten bis zu 10 Knoten, haften bleibt. Die Windschutzscheibe mit großflächiger Sicherheitsverglasung ist ebenso überaus stabil konstruiert.

GOING LIKE A BOEING

Mit 420 Litern Super und einer Yamaha Doppelmotorisierung von 600 PS und zusammen 8,5 Litern Hubraum bis unter die Zähne bewaffnet, geht’s endlich raus in die See. Bei 1-1,5 gegenlaufender Welle werden die Gashebel gleich auf den Tisch gelegt. Nach nur wenigen Sekunden wird die 50 Knoten Schallmauer durchbrochen. Spätestens jetzt spürt man, was dieser Rumpf zu leisten vermag. Knapp über 60 Knoten sind bei dieser Motorisierung möglich.

Trotz gegenlaufender Welle und rauem Seegang werden die 2,7 Tonnen pure Masse spielend durch das Wasser bewegt. Die Gashebel werden deutlich zurückgenommen und wir bewegen uns mit einem angenehmen Cruising-Speed von 35 Knoten. Bei dieser Geschwindigkeit wird der Seegang von den Insassen kaum noch wahrgenommen. Der Rumpf kommentiert Geschwindigkeiten über 50 Knoten mit deutlichen Flugeinlagen, was man im Boot allerdings kaum merkt: Keine harten Schläge, kein Spritzwasser, kein Taumeln beim Eintauchen. Das Boot schneidet die Wellen wie ein Messer und reagiert präzise auf die Fahrweise des Fahrers. Die hochgezogenen Scheiben schützen im Cockpit sitzende Personen besser als der Drei Wetter Taft. In scharfen Kurven fühlt es sich erstaunlich agil an für ein Boot dieser Ausmaße. Die Anytec fährt wie auf unsichtbaren Schienen und das selbst quer zur Welle mit einem enormen Schub.

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FAZIT

Die meisten Anytec Rümpfe stehen in ihrer Klasse für sich – die Anytec 860 SPD definiert eine eigene Klasse. Präzision, funktionelles Design, enorme Stabilität und Robustheit sowie eine durchdachte Ergonomie – das sind die Eigenschaften, die Anytec in sich vereint. Die Laufeigenschaften sind das Highlight schlechthin, das Zusammenspiel und die Performance der Anytec mit zwei 300PS Yamaha-Außenbordern ergibt eine Leistungseinheit wie aus einem Guss. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten sorgen die gegenläufigen Propeller für eine unglaublich bequeme, stabile und nahezu geräuschlose Fahrt über die Wellen.

Anytec und die beiden Yamaha V6 ergeben eine Kombination aus brutaler Leistung und erstaunlicher Agilität. Das beste daran – auch bei ruppigen Wetterbedingungen und hoher Geschwindigkeit fühlt man sich sehr sicher an Bord. Dieses Boot ist nichts für Schüchterne, die nicht auffallen wollen. Es ist feist und kompromisslos. Rock’n Roll auf dem Wasser und Adrenalin pur sind garantiert!

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